Die Betrachtung von Stereobildern mit dem Parallel- oder Kreuzblick
Beim Stereoblick betrachtet man zwei nebeneinander angeordnete Halbbilder ohne Hilfsmittel. Im Gehirn entsteht daraus ein räumlicher Eindruck. Je nachdem, wie die Halbbilder angeordnet sind, eignet sich dafür der Parallelblick oder der Kreuzblick.
Der Parallelblick
Entspannen Sie die Augen und schauen Sie sozusagen durch das linke und das rechte Halbbild hindurch, als würden Sie einen weit entfernten Gegenstand am Horizont betrachten. Die Halbbilder erscheinen dabei zunächst unscharf. Behalten Sie die Augenstellung bei und stellen Sie nun langsam auf die beiden Halbbilder scharf, bis ein räumliches Bild entsteht. Das gelingt nicht sofort und verlangt etwas Übung. Sobald es einmal gelungen ist, geht es von Mal zu Mal schneller und schließlich mühelos. Sie brauchen nicht zu befürchten, dass diese Methode Ihren Augen schadet. Wie bei jeder ungewohnten Beanspruchung kann es anfangs zu Ermüdung kommen. Legen Sie dann eine Pause ein.
Voraussetzung ist, dass das linke Auge auf das linke und das rechte Auge auf das rechte Halbbild blicken. Der Abstand entsprechender Bildpunkte, also der Punkte, die in beiden Halbbildern dasselbe Motiv zeigen, darf den mittleren Augenabstand von etwa 65 mm nicht überschreiten. Weil die Halbbilder nebeneinander liegen, kann ein Halbbild nicht breiter als etwa 65 mm sein. Für größere Halbbilder reicht der Parallelblick ohne Hilfsmittel in der Regel nicht aus. Dann kommt der Kreuzblick oder eine Betrachtungshilfe infrage.
Der Kreuzblick
Beim Kreuzblick schauen Sie auf einen gedachten Punkt vor Ihrer Nase. Die beiden Halbbilder erscheinen unscharf dahinter, während sich die Blickrichtungen kreuzen: Das linke Auge blickt auf das rechte, das rechte Auge auf das linke Halbbild. Die Halbbilder sind deshalb umgekehrt angeordnet als beim Parallelblick. Das Bild für das linke Auge liegt rechts, das für das rechte Auge links. Nun stellen Sie langsam auf die Halbbilder scharf, ohne die gekreuzte Augenstellung aufzugeben. Mit etwas Übung erscheint ein scharfes Raumbild. Vielen fällt der Kreuzblick leichter als der Parallelblick.
Beim Kreuzblick erscheint das Raumbild kleiner als beim Parallelblick. Der Grund liegt in der Wahrnehmungspsychologie des räumlichen Sehens: Der Kreuzblick lässt das Bild näher erscheinen, der Parallelblick weiter entfernt.

