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Das KMQ-Verfahren
Das KMQ-Verfahren ist eine Methode zur Betrachtung von Stereobildern mit einem Prismensichtgerät. Die beiden Halbbilder liegen dabei übereinander, nicht nebeneinander. Der Name steht für die Initialen der Erfinder Koschnitzke, Mehnert und Quick.
Geschichte
Entwickelt wurde das Verfahren Anfang der 1980er Jahre an der Universität Hohenheim von Dr. Christoph Koschnitzke, Rainer Mehnert und Dr. Peter Quick. 1983 erschien mit "Faszinierende Natur dreidimensional" die erste nichtwissenschaftliche Veröffentlichung, in der die Erfinder das Verfahren und das zugehörige Sichtgerät vorstellten. Hersteller war die KMQ Stereographie GbR in Stuttgart.
Das Grundprinzip ist älter und geht auf das NESH-Verfahren von Neubauer und Schnitger zurück. Auch dort liegen die Halbbilder übereinander und werden mit Prismen betrachtet. KMQ ergänzt die Prismen um mattierte Streifen, die störende Geisterbilder unterdrücken.
Das Prinzip
Beim KMQ-Verfahren werden die beiden Halbbilder übereinander angeordnet. Das Bild für das rechte Auge steht oben, das Bild für das linke Auge unten. Diese Anordnung heißt Übereinander-Format oder, nach dem englischen Begriff, Over-Under.
Vor die Augen kommt ein Sichtgerät mit zwei Prismen. Das Prisma vor dem rechten Auge lenkt den Blick nach oben, das Prisma vor dem linken Auge nach unten. So sieht das rechte Auge das obere Teilbild und das linke Auge das untere. Im Gehirn entsteht daraus ein räumliches Bild. Das klassische Sichtgerät SSG 1b vergrößert nicht. Es lenkt die Blickrichtung nur um.
Entscheidend ist der Betrachtungsabstand. Die Prismen haben einen festen Ablenkwinkel. Die Teilbilder decken sich deshalb nur dann, wenn ihr Abstand und der Betrachtungsabstand zueinander passen. Verändert man den Abstand oder neigt man den Kopf, kommen die Teilbilder nicht mehr zur Deckung. Der Kopf muss während der Betrachtung waagerecht bleiben.
Betrachtung am Monitor
Für die Betrachtung am Monitor werden die beiden Halbbilder übereinander dargestellt, das rechte oben, das linke unten. Beide Teilbilder müssen gleich groß sein und dieselbe Ausrichtung haben. Ihre Bildkanten müssen waagerecht verlaufen. Dann hält man das Sichtgerät mit der Aufschrift "KMQ" lesbar dicht vor die Augen. Das Gerät muss waagerecht sitzen und mittig vor den Augen stehen. Den Abstand zum Bild verändert man so lange, bis sich die beiden Teilbilder decken.
Für den ersten Versuch eignet sich ein nicht zu großes Bild. Bei einem A4-Ausdruck liegt der passende Abstand grob bei einer Armlänge, also etwa 50 cm. Bei einem größeren Bild am Monitor rückt man entsprechend weiter weg oder verkleinert die Darstellung. Brillenträger brauchen oft etwas mehr Geduld. Probieren Sie verschiedene Abstände aus und geben Sie sich etwas Zeit.
Der Stereo-Viewer dieser Homepage zeigt die Halbbilder nebeneinander und bietet keine eigene KMQ-Darstellung. Für das KMQ-Verfahren müssen die Teilbilder übereinander liegen.
Druck und Projektion
Das KMQ-Verfahren eignet sich besonders für breite Formate und Panoramen. Weil die Teilbilder übereinander liegen, ist die Bildbreite nicht durch den Augenabstand begrenzt. Beim Parallelblick darf ein Halbbild dagegen nur etwa 65 mm breit sein.
Für den Druck werden die beiden Teilbilder übereinander gesetzt. Das Sichtgerät kann vor Büchern, Postern und Wandbildern gehalten werden. Für die Projektion werden die Teilbilder heute übereinander in eine digitale Bilddatei oder Präsentation gesetzt und mit einem Beamer auf eine Leinwand projiziert. Das Publikum betrachtet die Projektion mit KMQ-Prismenbrillen. So erscheint das übereinander angeordnete Bild auch projiziert räumlich. Früher wurden dafür KMQ-Bildmasken und 6 × 6-Diarähmchen verwendet.
Bei der Projektion müssen die Zuschauer nahezu im gleichen Abstand zur Leinwand sitzen, weil sonst die Teilbilder nicht zur Deckung kommen. Das Verfahren eignet sich daher eher für kleine Runden. Es kommt ohne Farbfilter aus und ist deshalb auch für farbige Bilder geeignet.
Vor- und Nachteile
- Vorteile: große und breite Bildformate, keine Farbfilter, entspannte Betrachtung ohne Erlernen des freien Sehens, einfaches Sichtgerät, geeignet für Druck, Monitor und Projektion.
- Nachteile: fester Betrachtungsabstand, waagerechte Kopfhaltung, Geisterbilder bei falscher Ausrichtung, keine Vergrößerung beim klassischen Sichtgerät, für Gruppen nur mit Einschränkungen.
Verfügbarkeit
Das KMQ-Sichtgerät wird bis heute als einfacher Kunststoff-Prismenbetrachter angeboten, unter anderem als Modell SSG 1b. Daneben gibt es das Open-Source-Projekt openKMQ, das kostenlose Baupläne für Halterungen und Zubehör bereitstellt. Für die Betrachtung zu Hause genügt ein Sichtgerät. Für eine Gruppe benötigt jede Person ein eigenes Sichtgerät oder eine KMQ-Prismenbrille.
Weiterführende Informationen
- KMQ viewer – Wikipedia
- Stereodisplay – Wikipedia, Abschnitt "Prismengläser-Brillen"
- openKMQ – Baupläne und Hintergründe
Letzte Änderung: 01.11.2026

