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Aufnahmetechnik
Es gibt mehrere Wege, Stereobilder zu erstellen: zeichnerisch, am Computer oder fotografisch. Der fotografische Weg ist der gebräuchlichste, und um ihn geht es hier. Entscheidend ist immer dasselbe: Zwei Aufnahmen müssen aus zwei parallelen, horizontal versetzten Perspektiven entstehen – und sie müssen zusammenpassen.
Das Sukzessivverfahren
Beim Sukzessivverfahren werden die beiden Halbbilder nacheinander mit derselben Kamera aufgenommen. Die Kamera wird zwischen den Aufnahmen seitlich um die Basis verschoben, ohne dabei geschwenkt zu werden.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Es genügt eine normale Kamera, und die Basis ist frei wählbar. Für Makroaufnahmen mit einer Basis von wenigen Millimetern ist dieses Verfahren oft die einzige Möglichkeit. Auch für sehr große Basen – bis hin zur Bewegung der Erde – ist es geeignet.
Der Nachteil ist ebenso klar: Zwischen den beiden Aufnahmen darf sich nichts im Bild bewegen. Wolken, Blätter, Wasser oder Menschen machen das Verfahren im Freien unbrauchbar. Es eignet sich daher vor allem für statische Motive.
Für genaue Arbeit wird die Kamera auf einen Stereoschlitten gesetzt. Das ist ein Einstellschlitten für Nahaufnahmen, der quer zur Aufnahmerichtung zwischen Kamera und Stativ montiert wird. Eine Skala erlaubt es, die Basis exakt einzustellen. Wichtig ist, dass die Objektivachse vor und nach dem Verschieben parallel bleibt. Wird die Kamera zum Motiv hin gedreht, entstehen zwei unterschiedlich verzogene Halbbilder, die sich nicht mehr sauber verschmelzen lassen.
Bei Blitzlicht darf das Blitzgerät nicht mit verschoben werden, sonst ändern sich Licht und Schatten zwischen den Aufnahmen.
Gleichzeitige Aufnahme
In der Natur bewegt sich fast alles. Wolken ziehen, Blätter wehen, Wasser fließt. Sollen solche Motive als Raumbild funktionieren, müssen beide Halbbilder gleichzeitig belichtet werden. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: eine Stereokamera oder zwei fest verbundene Einzelkameras.
Die Stereokamera

Eine Stereokamera hat zwei Objektive mit festem Abstand. Sie belichtet beide Halbbilder über eine gemeinsame Auslösung, oft auf einem gemeinsamen Film oder Sensor. Das ist die bequemste und sicherste Methode: Basen, Ausrichtung und Synchronisation stimmen konstruktiv.
Das Angebot ist allerdings klein. Gebrauchte Stereokameras aus den 1950er Jahren sind erhältlich, entsprechen aber nicht dem technischen Stand heutiger Kameras. Neue Stereokameras sind rar und teuer. Die Firma RBT in Deutschland war lange fast der einzige Hersteller auf dem Weltmarkt. Wer heute digital arbeitet, findet die entsprechenden Hinweise unter Digitale Stereofotografie.
Zwei Kameras
Zwei Einzelkameras lassen sich zu einem Stereosystem verbinden. Voraussetzung ist eine starre, verdrehsichere Montage auf einer gemeinsamen Schiene und eine Synchronisation der Verschlüsse, die beide Kameras möglichst gleichzeitig auslöst.
Der Vorteil: Die Basis lässt sich – innerhalb der Mechanik – verändern, und man kann mit vorhandenen Kameras arbeiten. Der Nachteil: Die meisten Kleinbild- und Systemkameras lassen sich wegen ihrer Baugröße nicht näher als etwa 10 cm zusammenrücken. Für die Normalbasis von 6,5 cm ist das zu viel. Hier helfen spezielle Halterungen oder ein Strahlenteiler, sofern die Kameras dafür geeignet sind.
Für Großbasisaufnahmen können beide Kameras auf je ein Stativ gesetzt werden. Dann ist die Basis kaum begrenzt – aber der Nahpunkt wandert mit. Was dabei zu beachten ist, steht unter Basis und Tiefenzone.
Gleiche Einstellungen, gleiche Bedingungen
Damit die Halbbilder zusammenpassen, müssen sie unter identischen Bedingungen entstehen:
- gleiche Blende, gleiche Belichtungszeit, gleiche Empfindlichkeit,
- gleiche Entfernungseinstellung und gleiche Brennweite,
- gleiche Höhe und Ausrichtung,
- kein Zoom und kein Autofokus-Wechsel zwischen den Aufnahmen,
- keine Bewegung im Motiv.
Schon kleine Unterschiede in der Belichtung oder Schärfe fallen im Raumbild auf. Das Gehirn versucht, die beiden Bilder zu verschmelzen, und stört sich an allem, was nicht zusammenpasst.
Schärfentiefe
Das Raumbild muss über den gesamten Bildraum scharf sein. Anders als beim Flachbild, wo der Blick nur auf eine Ebene gerichtet ist, wandert er im Raumbild zwischen Vordergrund und Hintergrund. Wird der Vordergrund scharf und der Hintergrund unscharf abgebildet, entsteht ein Widerspruch: Der Raum sagt "weit", die Schärfe sagt "nah".
Deshalb wird in der Stereofotografie meist stärker abgeblendet als in der Flachbildfotografie. Die Grenzen setzen Beugungsunschärfe und Belichtungszeit. Bei bewegten Motiven oder wenig Licht wird daraus schnell ein Zielkonflikt.
Ein erster Versuch
Wer die Stereofotografie ausprobieren möchte, braucht keine Spezialausrüstung. Ein Stativ, eine ruhige Hand und ein statisches Motiv genügen:
- Kamera auf ein Stativ setzen, Motiv mit einem nahen Punkt bei etwa 3 Metern wählen.
- Erstes Bild aufnehmen.
- Kamera exakt horizontal um 6,5 cm verschieben, ohne zu schwenken.
- Zweites Bild aufnehmen.
- Beide Bilder in normale Diarahmen fassen und mit zwei Betrachtern oder einem Stereoskop ansehen.
Wichtig ist, zuerst das linke und dann das rechte Bild aufzunehmen – nicht weil es technisch einen Unterschied macht, sondern weil es die spätere Zuordnung erleichtert.
Fehler vermeiden
Die häufigsten Aufnahmefehler sind schnell benannt: eine verschobene oder verdrehte Kamera, unterschiedliche Einstellungen, Bewegung zwischen den Aufnahmen und ein zu naher Vordergrund. Sie alle führen zu Bildern, die sich nicht entspannt betrachten lassen. Wie man sie erkennt und behebt, steht unter Fehler und Toleranzen.

