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Theorie und Technik

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Basis und Tiefenzone

Die stereoskopische Basis ist der Abstand zwischen den beiden Perspektiven, aus denen aufgenommen wird. Sie ist die wichtigste Größe bei der Aufnahme: Sie bestimmt, wie stark die Tiefe im Bild ausgeprägt ist, wie weit der nächste Punkt entfernt sein muss und bis zu welcher Entfernung noch räumlich unterschieden werden kann.

Die Normalbasis

Unser Augenabstand beträgt im Mittel etwa 65 mm. Wird mit dieser Normalbasis fotografiert und das Ergebnis unter natürlichen Bedingungen betrachtet, entspricht der Raumeindruck ungefähr dem, was wir mit eigenen Augen sehen. Deshalb ist die Normalbasis der Ausgangspunkt aller Überlegungen – nicht weil sie immer richtig wäre, sondern weil sie den Maßstab setzt.

In der Praxis wird die Normalbasis oft leicht über- oder unterschritten. Schon wenige Zentimeter Abweichung bleiben unauffällig. Erst wenn die Basis deutlich größer oder kleiner wird, verändert sich die Raumwirkung sichtbar.

Basis und Tiefenzone

Zwischen Basis, Nahpunkt und Deviation besteht ein fester Zusammenhang. Bei gegebener Brennweite und zulässiger Deviation gilt: Je größer die Basis, desto weiter muss der nächste Punkt entfernt sein, damit die Deviation im zulässigen Bereich bleibt.

Die stereoskopische Tiefenzone ist der Bereich zwischen dem nächsten und dem fernsten Punkt, der im Bild noch räumlich erfasst wird. Nach hinten begrenzt sie nicht die Basis, denn die räumliche Unterscheidung reicht bei großer Basis sogar weiter. Die Grenze ist die Fähigkeit des Gehirns, die Halbbilder zu verschmelzen. Nach vorn begrenzt die Deviation die Zone: Der Nahpunkt darf nicht zu nah kommen.

Für die Praxis hat sich eine Faustregel eingebürgert: Der Nahpunkt sollte etwa das 30- bis 50fache der Basis entfernt sein. Bei Normalbasis und einem 50-mm-Objektiv landet man damit bei etwa 2,5 bis 3 Metern. Der genaue Wert hängt von Brennweite und zulässiger Deviation ab und lässt sich unter Formeln und Tabellen berechnen.

Große Basis: Liliputismus

Wird die Basis deutlich größer als der Augenabstand gewählt, erscheint die Welt wie aus der Sicht eines Riesen. Die Gegenstände wirken verkleinert, die Räumlichkeit reicht über große Entfernungen. Diesen Effekt nennt man Liliputismus.

Er ist kein Fehler, sondern ein Werkzeug. Eine Stadt aus der Luft, ein Gebirgsmassiv oder eine Modelleisenbahn gewinnen durch eine große Basis enorm. Wichtig ist nur, dass der Nahpunkt entsprechend weit hinten liegt: Mit wachsender Basis rückt er nach hinten, sonst wird die Deviation zu groß.

Die größte denkbare Basis ist astronomisch. Nutzt man die Bewegung der Erde um die Sonne, lassen sich der Mond oder weit entfernte kosmische Objekte stereoskopisch aufnehmen. Für irdische Motive sind solche Basen natürlich unbrauchbar – der Effekt wäre extrem.

Kleine Basis: Gigantismus

Umgekehrt wirkt eine Basis, die deutlich kleiner als der Augenabstand ist: Die Gegenstände erscheinen übergroß, die Welt wie aus der Sicht eines Zwerges. Diesen Effekt nennt man Gigantismus.

Auch er ist kein Fehler. Im Nahbereich ist eine kleine Basis sogar notwendig, weil eine Normalbasis bei einem Motiv in 20 cm Entfernung eine unzulässig große Deviation erzeugen würde. Für Blüten, Insekten, Mineralien oder technische Details arbeitet man deshalb mit Basen von wenigen Millimetern bis zu einigen Zentimetern.

Die Basis richtig wählen

Für die Wahl der Basis gibt es keine allgemeingültige Zahl, wohl aber eine Reihenfolge der Entscheidungen:

  1. Motiv und gewünschte Wirkung: Soll die Szene natürlich, verkleinert oder vergrößert erscheinen?
  2. Nahpunkt: Wie nah kommt der vorderste bildwichtige Gegenstand an die Kamera?
  3. Zulässige Deviation: Welches Format, welche Brennweite, welche Wiedergabe?
  4. Fernpunkt: Liegt er im Unendlichen oder ist der Hintergrund begrenzt?

Wer mit der Stereofotografie beginnt, sollte zunächst mit der Normalbasis arbeiten und den Nahpunkt großzügig wählen. Wer diese Technik beherrscht, kann mit größeren und kleineren Basen gezielt gestalten. Die Aufnahmeverfahren dafür stehen unter Aufnahmetechnik.

Ein Zahlenbeispiel

Bei einer Basis von 6,5 cm, einer Brennweite von 50 mm und einer zulässigen Deviation von 1,2 mm liegt der Nahpunkt bei etwa 2,7 Metern, wenn der Fernpunkt im Unendlichen liegt. Verdoppelt man die Basis auf 13 cm, rückt der Nahpunkt auf etwa 5,4 Meter. Bei 1 Meter Basis sind es bereits rund 42 Meter.

Das zeigt den praktischen Kern: Eine große Basis ist kein Freibrief für mehr Tiefe im Vordergrund. Sie verschiebt die gesamte nutzbare Tiefenzone nach hinten. Wer das ignoriert, bekommt Bilder, die zwar technisch korrekt gerechnet, aber nicht mehr zu betrachten sind.