UF-3D-Foto Logo

Theorie und Technik

Inhalt

Vom Raum zum Bild

Ein Stereobild ist kein einzelnes Bild, sondern ein Paar. Zwei Aufnahmen zeigen dieselbe Szene aus zwei Perspektiven. Bei der Betrachtung erhält jedes Auge genau eine davon. Erst im Gehirn entsteht daraus der räumliche Eindruck. Alles, was dazwischen liegt – Aufnahme, Montage, Wiedergabe – hat nur eine Aufgabe: diese beiden Bilder so zueinander zu bringen, dass die Wahrnehmung sie widerspruchsfrei verschmelzen kann.

Zwei Halbbilder

Die beiden Einzelbilder heißen Halbbilder. Das linke Halbbild ist für das linke Auge bestimmt, das rechte für das rechte. Diese Zuordnung ist keine Formalie: Wird sie vertauscht, kehrt sich der Raumeindruck um. Was hinten liegt, erscheint dann vorn, und umgekehrt.

Für eine brauchbare Aufnahme müssen die beiden Halbbilder aus parallelen, horizontal versetzten Perspektiven stammen. Die Verbindungslinie zwischen den beiden Objektiven muss waagerecht verlaufen und im rechten Winkel zur Aufnahmerichtung stehen. Wird die Kamera stattdessen geschwenkt, entstehen zwei Bilder mit unterschiedlicher Perspektive, die sich nicht mehr sauber verschmelzen lassen.

Schematische Darstellung einer Stereokamera von oben: zwei Objektive, Brennweite f, Nahpunkt N und Fernpunkt F in unendlicher Entfernung
Stereokamera-Geometrie mit Nah- und Fernpunkt

Die Deviation

Der entscheidende Messwert ist die Deviation. Man versteht darunter den seitlichen Abstand, den ein identischer Bildpunkt im linken und im rechten Halbbild einnimmt. Sie wird üblicherweise in Millimetern auf dem Film oder Sensor gemessen.

Die Deviation ist nicht die Tiefe selbst, sondern das Maß, aus dem das Gehirn die Tiefe ableitet. Drei Fälle lassen sich unterscheiden:

Für das Kleinbildformat hat sich ein Richtwert von 1,2 mm als maximale Deviation eingebürgert. Bei Bildern, die vor dem Scheinfenster liegen, kann man bis 1,5 mm gehen. Die genauen Werte hängen vom Format ab. Sie stehen unter Formeln und Tabellen.

Die Bildtrennung

Damit die beiden Halbbilder getrennt zu den Augen gelangen, braucht es eine Bildtrennung. Sie kann auf sehr verschiedene Weise erfolgen: durch Linsen und Prismen im Stereoskop, durch Farbfilter beim Anaglyphenverfahren, durch Polarisation, durch zeitlichen Wechsel oder durch ein Raster. Ohne Bildtrennung sieht jedes Auge beide Halbbilder, und der Raumeindruck bricht zusammen.

Aus dieser Notwendigkeit folgt der scheinbare Widerspruch, mit dem die Stereoskopie seit jeher zu kämpfen hat: Ein Raumbild ist ohne Hilfsmittel meist nicht zu betrachten – und genau das hat ihrer Verbreitung im Wege gestanden. Details stehen unter Wiedergabe und Betrachtung.

Das stereoskopische Scheinfenster

Beim Blick durch ein Fenster sieht das rechte Auge am linken Rand etwas mehr als das linke. Am rechten Rand ist es umgekehrt. Diesen Effekt bildet die Rahmung eines Stereodias nach. Dadurch entsteht im Raumbild ein scheinbares Fenster: die Fensterbene. Alles, was dahinter liegt, erscheint hinter der Bildfläche. Alles, was davor liegt, ragt in den Zuschauerraum.

Das Scheinfenster ist kein physikalisches Bauteil, sondern eine Folge der Montage. Es bestimmt entscheidend, wie ein Raumbild wirkt, und es ist die wichtigste Stellschraube bei der Justage. Ausführlich behandelt es Montage und Rahmung.

Formate und Halbbilder

Stereobilder gibt es in vielen Formaten. Verbreitet sind das Kleinbild-Halbbild (24 × 30 mm oder 24 × 36 mm), das quadratische Format 24 × 23 mm und das stereoskopische Großformat mit 55 × 55 mm Halbbildern. Für die Projektion werden meist Dias im Außenformat 41 × 101 mm verwendet, für zwei Einzelprojektoren 5 × 5-Rahmen.

Das Format beeinflusst die zulässige Deviation, weil sich der Richtwert auf die Halbbildbreite bezieht. Ein größeres Halbbild verträgt absolut mehr Deviation, ohne dass der Eindruck unnatürlich wird. Die Umrechnung steht unter Formeln und Tabellen.

Was ein gutes Stereobild ausmacht

Technisch betrachtet ist ein Stereobild dann gut, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Die beiden Halbbilder gehören zusammen, sie sind exakt zueinander ausgerichtet, und die Deviation bleibt innerhalb der zulässigen Grenzen. Fehlt eine dieser Bedingungen, leidet der Raumeindruck – oft so stark, dass das Bild unbrauchbar wird, auch wenn das Motiv noch so gut war.

Die nächste Seite widmet sich der Frage, wie viel Basis ein Motiv verträgt und wie daraus die Tiefenzone entsteht.