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Theorie und Technik

Inhalt

Montage und Rahmung

Aufnahme und Montage sind zwei Hälften derselben Arbeit. Eine perfekte Aufnahme wird durch eine schlechte Montage unbrauchbar, und eine gute Montage kann kleine Aufnahmefehler nicht ausgleichen. Die Montage entscheidet darüber, ob die Halbbilder zusammenfinden, wo das Scheinfenster liegt und ob die Deviation im zulässigen Bereich bleibt.

Höhenfehler und Verkantung

Der häufigste Montagefehler ist der Höhenfehler: Ein identischer Punkt liegt im linken Halbbild auf einer anderen Höhe als im rechten. Beim natürlichen Sehen kommt das nicht vor, deshalb reagiert das Gehirn empfindlich. Schon ein Bruchteil eines Millimeters kann stören, bei der Projektion wird der Fehler durch die Vergrößerung entsprechend größer.

Ebenso schädlich ist eine Verkantung: Die Halbbilder sind gegeneinander verdreht. Auch dabei entstehen Höhenunterschiede, die über das Bild verteilt unterschiedlich stark ausfallen. Die Folge sind Doppelbilder, die sich nicht sauber verschmelzen lassen.

Die Gegenmaßnahme ist einfach, aber sorgfältig auszuführen: Beide Halbbilder werden an einer gemeinsamen Bezugskante ausgerichtet, am besten mit einem Montagegerät und einer Vergleichsmöglichkeit. Waagerechte Linien im Motiv – ein Horizont, eine Fensterbank, eine Mauer – sind dabei hilfreich.

Das stereoskopische Scheinfenster

Schaut man durch ein Fenster, sieht das rechte Auge am linken Rand etwas mehr als das linke. Am rechten Rand ist es umgekehrt. Diesen Effekt bildet die Rahmung nach. Dazu wird das linke Halbbild an der linken Seite und das rechte Halbbild an der rechten Seite beschnitten – oder, bei der Montage, entsprechend versetzt.

So entsteht im Raumbild ein scheinbares Fenster: die Fensterbene. Alles, was dahinter liegt, erscheint hinter der Bildfläche. Alles, was davor liegt, ragt in den Zuschauerraum hinein. Das Scheinfenster ist damit die "Bühnenöffnung" des Raumbildes.

Halbbildmontage: Versatz der beiden Halbbilder für das Scheinfenster
Halbbildmontage für das Scheinfenster

Die Regel für den Fernpunkt

Für die Montage gibt es einen einfachen Grundsatz: Die fernsten Punkte dürfen nicht weiter auseinanderliegen als der Halbbildabstand plus der zulässigen Deviation.

FPA = HBA + 1,2 mm

Dabei ist FPA der Abstand der Fernpunkte und HBA der Halbbildabstand. Anders ausgedrückt: Im rechten Halbbild darf ein gegebener Fernpunkt höchstens 1,2 mm dichter am rechten Bildrand liegen als auf dem linken Halbbild. Für den linken Bildrand gilt das Umgekehrte.

Punkte, die genau in der Fensterebene liegen sollen, haben im linken und im rechten Halbbild denselben Abstand zum jeweiligen Bildrand – nämlich den halben Halbbildabstand. Dann kommen sie bei der Projektion zur Deckung, und das Fenster liegt auf der Bildwand.

Der Wert von 1,2 mm ist ein Richtwert für das Kleinbildformat. Er hängt vom Format und von der Wiedergabe ab und ist unter Formeln und Tabellen genauer beschrieben.

Nahpunktrahmung

Für die künstlerische Fotografie ist es meist besser, den nächsten Gegenstand, der durch den Bildrand angeschnitten wird, knapp hinter das Scheinfenster zu legen. Diese Art der Rahmung nennt man Nahpunktrahmung. Die stereoskopische Wirkung wird dabei maximal ausgenutzt, ohne dass etwas aus dem Fenster herausragt.

Wichtig ist, dass die Differenz der fernsten Punkte zum Bildrand auf beiden Halbbildern nicht größer als 1,2 mm ist. Gegenstände, die nicht durch den Bildrand angeschnitten werden, dürfen dagegen vor dem Scheinfenster liegen. Sie ragen dann in den Zuschauerraum – ein reizvolles Gestaltungsmittel, das aber sparsam eingesetzt werden sollte.

Die gesamte Deviation im Bild zwischen fernstem und nächstem Punkt sollte 1,5 mm nicht überschreiten. Wird sie größer, lassen sich die Halbbilder nicht mehr entspannt verschmelzen. Es kommt zu Bildzerfall und Augenschmerzen.

Montage für die Projektion

Bei der Projektion sollte das Scheinfenster auf der Bildwand liegen. Das gelingt nur bis zu einem bestimmten Abbildungsmaßstab, weil die Abstände der Fernpunkte mit der Vergrößerung wachsen. Wird die Grenze überschritten, richtet man die Strahlengänge nicht mehr nach der Rahmenbegrenzung aus, sondern nach dem Abstand der Fernpunkte. Das Scheinfenster schwebt dann frei vor der Bildwand.

Die Einzelheiten und die zulässigen Werte stehen unter Projektion.

Projektionsbild: beide Halbbilder bei richtiger Montage des Scheinfensters
Projektionsbild bei richtiger Montage

Formate und Rahmen

Für die Projektion werden meist Stereorahmen im Außenformat 41 × 101 mm verwendet. Das Nennformat der Halbbilder kann 24 × 18, 24 × 23, 24 × 30, 24 × 33 oder 24 × 36 mm betragen. Die Rahmen besitzen Noppenleisten, in die die Filmstücke eingehängt und justiert werden.

Arbeitet man mit zwei Einzelprojektoren, verwendet man zwei 5 × 5-Rahmen mit passendem Bildausschnitt. Damit die Halbbilder nicht verwechselt werden, markiert man das linke Halbbild links unten rot und das rechte links unten grün.

Montagegeräte

Ein Stereo-Montagegerät ist für genaue Arbeit unerlässlich. Es besteht aus einem Leuchtkasten, auf dem das Dia gegen Verschieben fixiert liegt, zwei Lupen zur räumlichen Betrachtung und einem Schieber mit Horizontal- und Vertikalmarkierungen. Damit lassen sich Höhe, Seite und Drehung der Halbbilder kontrollieren und justieren.

Je stärker ein Stereobild vergrößert wird, desto genauer muss montiert werden. Für die Projektion ist die Montage deshalb besonders sorgfältig auszuführen. Wer regelmäßig projiziert, kommt an einem Montagegerät nicht vorbei.

Vorgehen in der Praxis

  1. Beide Halbbilder auf einer gemeinsamen Bezugskante ausrichten.
  2. Höhenfehler prüfen: Ein identischer Punkt muss auf beiden Halbbildern auf derselben Höhe liegen.
  3. Verkantung prüfen und beseitigen.
  4. Fernpunkte einstellen: Abstand höchstens Halbbildabstand plus 1,2 mm.
  5. Nahpunkt prüfen: gesamte Deviation nicht über 1,5 mm.
  6. Scheinfenster kontrollieren: Liegt der gewünschte Bildteil dahinter oder davor?
  7. Erst dann rahmen und beschriften.

Wer diese Reihenfolge einhält, vermeidet die meisten Fehler, die später als "das Bild funktioniert nicht" auffallen.